Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Welche Werte sind richtig?
Stand: . Quellen am Ende des Artikels, Arbeitsweise unter So arbeiten wir.
Die Richtwerte auf einen Blick
Gemeint ist immer die relative Luftfeuchtigkeit: wie viel Prozent der Wassermenge, die die Luft bei ihrer aktuellen Temperatur maximal tragen kann, tatsächlich drin ist. Das zeigt jedes Hygrometer an.
| Relative Luftfeuchte | Was sie bedeutet | Quelle |
|---|---|---|
| unter 30 % | Schleimhäute trocknen aus | co2online |
| 40 bis 60 % | Zielbereich, geringes Schimmelrisiko | Umweltbundesamt |
| unter 50 % | Ziel im Winter in schlecht gedämmten Wohnungen | Umweltbundesamt |
| über 50 % über längere Zeit | lüften | Verbraucherzentrale |
| über 60 % über Tage | Schimmel kann binnen weniger Tage wachsen | Umweltbundesamt |
| 65 bis 70 % | sollte nicht dauerhaft überschritten werden | Umweltbundesamt |
| 70 bis 80 % direkt an der Wand | dort können Schimmelpilze wachsen | Verbraucherzentrale |
Kurze Spitzen nach dem Duschen oder Kochen sind kein Problem. Entscheidend ist, wie lange der Wert oben bleibt.
Warum die Temperatur mitspielt
Warme Luft kann deutlich mehr Wasser tragen als kalte. Die Verbraucherzentrale beziffert das: Bei 0 Grad passen höchstens knapp 5 Gramm Wasser in einen Kubikmeter Luft, bei 20 Grad gut 17 Gramm. Kühlt feuchte Raumluft ab, steigt ihre relative Feuchte, obwohl kein Tropfen Wasser dazugekommen ist.
Genau das passiert an kalten Außenwänden, hinter Schränken und an Fensterscheiben. Im Raum zeigt das Hygrometer vielleicht 55 Prozent, direkt an der kalten Ecke sind es deutlich mehr. Liegen dort 70 bis 80 Prozent an, kann laut Verbraucherzentrale Schimmel wachsen. Deshalb bringt es nichts, einen Raum zum Sparen fast auskühlen zu lassen. Die Verbraucherzentrale rät, alle Wohn- und Schlafräume tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad zu heizen und Temperaturunterschiede von mehr als 5 Grad zwischen den Räumen zu vermeiden. Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen bleiben zu, sonst zieht die warme Feuchte ins kalte Zimmer und schlägt sich dort nieder. Wie warm welcher Raum sein sollte, steht im Artikel zur optimalen Raumtemperatur.
Woher die Feuchtigkeit kommt
Ein Drei-Personen-Haushalt setzt laut Umweltbundesamt rund 6 bis 12 Liter Wasser pro Tag als Dampf frei. Die großen Quellen sind Atmen, Duschen, Kochen und Wäsche. Das Umweltbundesamt rät, Wäsche möglichst nicht in der Wohnung zu trocknen. Wer keinen Trockenraum hat, lüftet in dem Raum eben öfter.
Hygrometer: wie du richtig misst
Ein einfaches Thermo-Hygrometer reicht, das empfehlen sowohl Umweltbundesamt als auch Verbraucherzentrale. Ein paar Hinweise für brauchbare Werte:
- Im Bad entstehen beim Duschen kräftige Feuchtespitzen. Das Umweltbundesamt rät, danach das Wasser von Wänden und Boden abzuwischen, vor allem wenn sich das Bad schlecht lüften lässt.
- Ein paar Tage beobachten und dir notieren, wann der Wert steigt. Der Verlauf sagt mehr als eine Momentaufnahme.
- Beschlagene Scheiben sind laut Verbraucherzentrale das späteste Signal, jetzt zu lüften.
Was du bei zu hohen Werten tun kannst
- Stoßlüften statt Kippen. Mehrmals am Tag Fenster ganz auf. Wie lange je nach Jahreszeit, erklärt der Artikel Richtig lüften.
- Feuchtespitzen sofort rauslassen. Nach Duschen und Kochen 5 bis 10 Minuten weit öffnen, rät das Umweltbundesamt.
- Alle Räume moderat heizen, auch die wenig genutzten.
- Möbel etwas von der Außenwand abrücken. Die Angaben schwanken: Der Mieterbund hält 2 bis 4 Zentimeter für ausreichend, das Umweltbundesamt nennt je nach Seite 3 bis 5 oder mindestens 10 Zentimeter. Hauptsache, die Luft kommt dahinter.
Wenn sich trotzdem Schimmel zeigt
Kleine Flecken bis etwa 0,5 Quadratmeter, die nur oberflächlich sind, kannst du laut Umweltbundesamt selbst entfernen, sofern du nicht allergisch bist, keine Atemwegserkrankung und kein geschwächtes Immunsystem hast. Größerer Befall gehört in die Hände einer Fachfirma.
Unabhängig von der Größe: Melde Schimmel dem Vermieter sofort schriftlich, mit Fotos und einem kurzen Protokoll mit Datum, wie es die Verbraucherzentrale empfiehlt. Der Deutsche Mieterbund sieht Schimmel grundsätzlich als Mangel der Mietsache, den der Vermieter beseitigen muss. Anders kann es sein, wenn zu wenig geheizt und gelüftet wurde. Wer tatsächlich verantwortlich ist, ist oft umstritten und hängt vom Einzelfall ab. Deine Hygrometer-Notizen können helfen, dein Lüftungsverhalten zu belegen. Bevor du mit dem Vermieter streitest oder die Miete kürzt, lass dich beim Mieterverein oder der Verbraucherzentrale beraten.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Schlafzimmer normal?
Auch im Schlafzimmer gilt der Bereich von 40 bis 60 Prozent. Morgens liegt der Wert oft höher, weil ein schlafender Erwachsener laut co2online bis zu einen Liter Feuchtigkeit abgibt. Nach dem Aufstehen 5 bis 10 Minuten stoßlüften, wie es das Umweltbundesamt empfiehlt, holt ihn wieder herunter.
Ist 70 Prozent Luftfeuchtigkeit in der Wohnung gefährlich?
Kurz nach dem Duschen oder Kochen ist das normal. Auf Dauer nicht: Das Umweltbundesamt nennt 65 bis 70 Prozent als Obergrenze, die die Anzeige nicht dauerhaft überschreiten sollte. Bleibt der Wert dort, stimmt etwas mit dem Lüften, dem Heizen oder dem Gebäude nicht.
Brauche ich einen Luftbefeuchter, wenn die Luft im Winter trocken ist?
Meist nicht. Der Deutsche Mieterbund hält Luftbefeuchter für fast immer überflüssig. Erst unter 30 Prozent wird es laut co2online für die Schleimhäute unangenehm.
Warum sind die Fenster morgens beschlagen?
Warme, feuchte Raumluft kühlt an der kalten Scheibe ab und das Wasser kondensiert dort. Die Verbraucherzentrale sieht beschlagene Scheiben als spätestes Signal zum Lüften. Wasser auf dem Fensterbrett abwischen, dann stoßlüften.
Quellen
- Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung
- Umweltbundesamt: Richtiges Lüften beugt Schimmel vor
- Umweltbundesamt: FAQ Absenkung der Raumtemperatur in Herbst und Winter
- Umweltbundesamt: Richtiges Heizen schützt das Klima und den Geldbeutel
- Verbraucherzentrale: Heizen und Lüften, so geht's richtig
- Verbraucherzentrale: Schimmel an der Wand entfernen
- co2online: Richtig lüften leicht gemacht
- Deutscher Mieterbund: Richtig heizen, richtig lüften
- Umweltbundesamt: Was tun bei Schimmel in meiner Wohnung?
Passt dazu
- Optimale Raumtemperatur: Wie warm welches Zimmer sein sollteWohnzimmer 20 Grad, Küche 18, Schlafzimmer 16 bis 18, Bad bis 24 Grad. Die Richtwerte je Raum, die Untergrenze gegen Schimmel und was der Vermieter schuldet.
- Richtig lüften: Stoßlüften statt Kippfenster, so geht'sIm Winter 5 Minuten, im Sommer bis zu 30: So lange und so oft lüftest du richtig, warum das Kippfenster Geld kostet und was mit dem Thermostat passiert.
- Thermostat-Stufen: Was die Zahlen 1 bis 5 wirklich bedeutenStufe 3 sind etwa 20 Grad, jede Stufe macht rund 4 Grad aus. Tabelle für alle Stufen, passende Einstellung je Zimmer und warum Stufe 5 nicht schneller heizt.
- Nachtabsenkung der Heizung: Was du als Mieter selbst regelstNachts reichen etwa 18 Grad, unter 16 Grad steigt das Schimmelrisiko. So senkst du am Thermostat selbst ab und weißt, was der Vermieter zentral darf.